Ein grundlegender Bestandteil der Bildgestaltung ist die Wahl der Kameraperspektiven.

Bei der Rezeption eines Bildes übernimmt man meist den Blickwinkel der Kamera, daher hat kaum ein anderer Aspekt der Bildgestaltung einen derartig sichtbaren Effekt auf die Wahrnehmung des Gezeigten und Gesehenen.
Jede Perspektive kann dabei je nach Kontext unterschiedliche Funktionen erfüllen. Vor jeder Aufnahme sollte man sich daher mit der gewünschten Bildwirkung auseinandersetzen.

Man unterscheidet drei Grundtypen von Kameraperspektiven: die Normal-, die Auf- und die Untersicht.

Personen oder Gegenstände werden bei der Untersicht von unten gezeigt, sprich die Kamera positioniert sich unterhalb des Motivs und filmt von schräg unten nach oben. Das Gezeigte kann dadurch größer, dominanter oder bedrohlicher wirken. Die Extremform der Untersicht bezeichnet man als Froschperspektive.

Die Normalsicht bzw. Auge-in-Auge-Perspektive ist die wohl gängigste und somit am häufigsten verwendete Perspektive. Die Kamera befindet sich dabei auf Augenhöhe des Objektes oder der Person. Die Normalsicht entspricht am ehesten einer ‚neutralen‘, alltäglichen Beobachtung der Geschehnisse.

Ist die Kamera oberhalb des Motivs positioniert und filmt von schräg oben nach unten, spricht man von der Aufsicht. Diese Perspektive bewirkt meist, dass gezeigte Personen und Dinge kleiner, unbedeutender, devoter oder machtloser wirken können. Je höher die Kamera dabei oberhalb des Motivs positioniert ist, desto stärker kann die Wirkung dieser Perspektive sein. Die Extremform nennt man Vogelperspektive.

Die einzelnen Blickwinkel werden insbesondere in Spielfilmen dabei keineswegs starr und undynamisch eingesetzt. Vielmehr wechseln sie je nach Kontext und Verlauf der Geschichte. Beispielsweise wird der wohl berühmteste Zauberschüler der Welt, Harry Potter, meist zunächst von leicht unten gezeigt, da er zum Beispiel in einem vorherigen Teil seinen Widersacher besiegt hat. Taucht dieser jedoch wieder auf wechselt auch die Aufnahmeperspektive Harrys von der Untersicht bis hin zur Draufsicht und wieder zurück.