Nach Fertigstellung des Drehbuches, beginnt die wohl wichtigste Phase der Vorproduktion. Nun gilt es seinen Text bildlich in Bewegung zu setzen. Die Wahl der richtigen Einstellungsgrößen fällt allerdings, nicht nur Laien, oft schwer.

Ein Blick auf das kleine 1×1 des Videojournalismus kann hier Abhilfe schaffen. Mit der Anwendung der sogenannten Five-Shot-Technik finden gerade unerfahrene Filmemacher ein nützliches Hilfsmittel für die Visualisierung ihres Drehbuches.
Die Five-Shot-Regel besagt, dass jede Szene durch 5 Ws bzw. Einstellungsgrößen eingefangen werden kann. Relativ unabhängig von der jeweiligen Szenerie, hat man durch die vier Fragen „Was?“, „Wer?, „Wo?“ und „Wie?“ sowie dem sogenannten „Wow“-Shot, fast immer genügend Aufnahmen für den Schnitt parat.

Dabei konzentriert sich zum Beispiel die erste Einstellung auf die Handlung und zeigt was passiert. Oft ist dabei eine Detailaufnahme die bevorzugte Einstellungsgröße.

Der zweite Shot zeigt meist durch eine Nahe wer diese Handlung durchführt.

In der dritten Einstellung wird die Handlung durch eine Totale oder Halbtotale verortet und der Zuschauer weiß, wo sich die Szenerie abspielt.

Der vierte Shot verbindet beispielsweise durch eine Halbnahe die gezeigte Person mit der eigentlichen Aktion. Diese Einstellung stellt den Kontext her und zeigt wie die Person mit der Handlung in Zusammenhang steht.

Nach Beantwortung dieser vier grundlegenden Fragen, kann man seiner Kreativität freien Lauf lassen. Die fünfte Einstellung ist daher auch der sogenannte „Wow“- oder „Beauty“-Shot. Diese meist eher ungewöhnliche Einstellung soll den Zuschauern gewissermaßen einen Hingucker bzw. einen Grund liefern, sich auf die Szene oder im Idealfall den Film einzulassen.

Häufig spielt in einem Film nicht nur eine Person mit, dennoch lässt sich die Five-Shot-Technik auch für Szenen mit mehreren Beteiligten anwenden. Hat man beispielsweise für seine Hauptfigur die 5 Ws abgehakt, kann man sie auf den nächsten Protagonisten anwenden. Um unnötige, da doppelte Aufnahmen zu vermeiden sollte man sich dabei allerdings die Frage stellen, ob man ein oder zwei Shots nicht bereits abgedreht hat. Es ist beispielsweise recht wahrscheinlich, dass durch eine Totale auch der Nebendarsteller bereits verortet ist.

Richtig angewendet bietet die Five-Shot-Regel eine gute Basis, mit der man in der Postproduktion arbeiten kann. Prinzipiell darf bzw. sollte man jedoch mehr Einstellungen drehen, um im Schnitt nicht die am wenigsten schlechte, sondern die beste Aufnahme auswählen zu können.
In diesem Zusammenhang, aber auch vor dem Hintergrund, dass nicht jeder Shot auf Anhieb gelingt, ist es empfehlenswert, sich während dem Dreh Notizen zu machen. In der Regel reicht es dabei aus, sich die Szene und den groben Handlungsstrang, die Einstellungsgröße, den Take sowie eine kurze Bewertung der Aufnahme zu notieren. Dieser vereinfachte Cutterbericht spart in der Postproduktion unheimlich viel Zeit. Er erleichtert insbesondere das Sortieren, sowie die erste Auswahl des aufgenommenen Drehmaterials, da man nicht zwingend jeden einzelnen Take sichten muss.