Weiß, weiß, weiß sind alle meine Kleider,
weiß, weiß, weiß ist alles was ich hab.

Diese Zeilen wurden einige Jahre nach der vermutlich ersten Fotografie Mitte des 19. Jahrhunderts veröffentlicht. Sie zu visualisieren stellt heute noch eine Herausforderung dar, denn für eine Kamera ist weiß nicht gleich weiß.

Licht besteht in der additiven Farbmischung aus unterschiedlichen Farben: Rot, Grün und Blau. Zusammen ergibt das unser weißes, normales Tageslicht. Je nach Tageszeit und je nach Lichtverhältnis verändert sich die Farbe Weiß, da das Licht jeweils von unterschiedlichen Farben dominiert wird. Das Licht ändert im Laufe des Tages nicht nur seine Helligkeit, sondern auch seine Farbtemperatur. Diese Farbtemperatur wird in Kelvin beschrieben. Um also Farben richtig einzufangen, gilt es an seiner Kamera den richtigen Kelvinwert einzustellen.

Die meisten Camcorder stehen ab Werk auf der Einstellung automatischer Weißabgleich. Die Kamera behandelt dabei die größten hellen Stellen im Motiv als weiße oder neutralgraue Flächen. Dies kann zufällig genau die richtige Farbtemperatur sein. Ist allerdings die hellste Stelle im Bild beispielsweise eine gelbe, korrigiert die Automatik schlichtweg falsch. Die Aufnahmen bekommen dann einen ungewollten Farbstich und sind im schlimmsten Fall unbrauchbar.

Die meisten Kameras bieten daher mindestens auch einen halbautomatischen Weißabgleich an. Relativ simpel lassen sich dadurch Mittelwerte für die jeweilige Aufnahmesituation einstellen. So bestimmt man per Tastendruck vor dem Dreh welche Lichtverhältnisse während des Drehs herrschen. Durch diese Hilfestellung interpretiert die Kamera alle folgenden Aufnahmen mit einer konstanten Farbtemperatur. Die jeweiligen Mittelwerte werden durch verschiedene Symbole angezeigt. Eine Sonne steht beispielsweise für Tageslicht oder das Symbol Glühbirne für Kunstlicht. Das Licht einer herkömmlichen Glühbirne verhält sich jedoch anders als das einer Energiesparlampe oder gar einer Neonröhre. Auch hier kann es dann zu ungewollten Farbstichen im Bild kommen. Gerade dies zeigt, dass auch vorjustierte Mittelwerte nicht mehr sein können als ein manchmal akzeptabler Kompromiss.

Eindeutig vorzuziehen und professioneller ist daher der manuelle Weißabgleich. Diesen bieten bereits höherwertige Consumer-Kameras an.  Nur ein manueller Weißabgleich erlaubt es, die Kamera korrekt auf die jeweils vorhandene Lichtsituation abzustimmen. Dafür benötigt man lediglich eine weiße oder graue Fläche, zum Beispiel ein weißes Blatt Papier oder noch besser eine Graukarte. Diese hält man dort, wo sich das Aufnahmeobjekt oder der Darsteller befindet, idealerweise bildfüllend vor die Kamera. Die Fläche muss dabei mit dem gleichen Licht beleuchtet werden wie das spätere Motiv. Dann drückt man den Abgleich-Knopf an der Videokamera und die Elektronik justiert sich selbsttätig ein.

Hat man das Prinzip dahinter einmal verstanden, eröffnen sich neue Wege der Farbgebung. Will man eine Szene beispielsweise eine bestimmte Stimmung  erzeugen, so hat man nur durch den manuellen Eingriff überhaupt die Möglichkeit dies auch bewusst zu machen. Eine große Rolle spielen dabei die Farben blau und orange. Blaues Licht wirkt oft kalt, nüchtern und schlicht, wohingegen Orange eingefärbte Bilder ein Gefühl der Wärme oder gar der Romantik vermitteln können.

Ein Weißabgleich muss, unabhängig von der bevorzugten Vorgehensweise, bei jeder neuen Szenerie, d.h. bei jedem Wechsel der Lichtsituation auch neu vorgenommen werden.