Die nunmehr seit über 20 Jahren digitalisierte Produktions- und vor allem Postproduktionsphase, ermöglicht es selbst unerfahrenen Cuttern tief in die Effekt-Trickkiste zu greifen.

Die gängigen Schnittprogramme kommen dabei mit einem schier unüberschaubaren Arsenal an vorgefertigten Effekten daher. Die meisten davon sind nur bedingt ein visueller Augenschmaus.

In diesem Tutorial wird der Blick auf den wahrscheinlich am häufigsten eingesetzten Effekt gerichtet: die Blende. Hierbei wird das gerade zu sehende Bild aus- und das neue Bild eingeblendet.

Blenden sind näher betrachtet weit mehr als einfache Effekte, vielmehr stellen sie seit rund 100 Jahren eine eigene Filmschnitttechnik dar. Egal ob Überblenden, Trickblenden, Wischblenden oder Auf- und Abblenden – Blenden erfüllen unterschiedliche Funktionen. Richtig eingesetzt können sie einen fließenden Übergang, eine Art Brücke zwischen zeitlich oder räumlich weit entfernten Szenen bilden.

Falsch oder zu oft eingesetzt wirken Blenden jedoch häufig deplatziert, mitunter gar effekthascherisch. Dadurch kann der Eindruck entstehen, dass beim Dreh oder in der Schnittphase handwerklich geschlampt wurde.

Es kann beispielsweise vorkommen, dass eine nahezu perfekte Detailaufnahme aufgenommen wurde. Leider passt diese dann manchmal nicht 100%ig in die Rahmenhandlung oder in den bildlichen Kontext. Unerfahrenere Cutter greifen in diesem Fallbeispiel häufig zu Blenden. Dies kann auf den ersten Blick funktionieren. Eine Aufnahme, die für den Verlauf der Geschichte im Grunde keine Rolle spielt, die verzichtbar ist, wird allerdings auch mit der schönsten Blende keinen nennenswerten Mehrwert bieten können. Kill your Darlings oder einfacher formuliert weniger ist mehr – diese zugegeben platt wirkenden Phrasen, sind nicht nur in diesem Fall eine Art ‚Goldene Regel‘ des Filmschnitts.

Nahezu konträr verhält es sich hingegen mit dem Einsatz von Audioblenden. Gerade bei einem Wechsel des Drehortes oder bei wechselnden Hintergrundgeräuschen, können Audioblenden den Schnitt flüssiger oder gar harmonischer wirken lassen. Verzichtet man in solchen Momenten gänzlich auf eine Tonblende, kann es häufig vorkommen, dass man den Schnitt hört. Dies kann ab und an ein gewünschter Effekt sein, aber in der Regel will man beim Schnitt eher unsichtbar bleiben. Je weniger die Zuschauer den Schnitt wahrnehmen, desto besser kann die Illusion gerade einer Geschichte ‚live‘ zu folgen sein.