Bei der Wahl eines Bildausschnittes gilt grundsätzlich: alles was geht, ist auch erlaubt. Kontextuell eingebettet in die filmische Rahmenhandlung kann auch ein auf den ersten Blick ‚schräges‘ Bild Sinn ergeben.

Dennoch gibt es einige Gestaltungsmethoden, die ein Bild stimmiger, ausgewogener oder harmonischer wirken lassen. In diesem Tutorial liegt der Fokus auf den zwei eingängigsten Techniken der filmischen Gestaltung – der Bildstrukturierung und Bildgeometrie.
Angelehnt an den bereits in der Antike entwickelten Goldenen Schnitt spielt dabei die Drittel-Regel eine wichtige Rolle. Dazu teilt man sein Bild durch zwei senkrechte und zwei waagrechte Linien in neun gleichgroße Felder. Dadurch erhält man vier Schnittpunkte entlang dieser Linien. Diese Punkte und die dazugehörigen Linien eignen sich für die Positionierung des Haupt- und Nebenmotives. Ein entsprechendes Raster kann bei nahezu allen gängigen Kameramodellen aktiviert werden. Die Drittel-Regel erzeugt Spannung. Der Zuschauer erhält meist mehr Interpretationsspielraum, da das Hauptmotiv nicht im Bildzentrum platziert ist.
Professionelle Kameramänner und –frauen weichen häufig von traditionellen Gestaltungsmethoden ab,  um die Aufnahmen interessanter zu gestalten. Laien sollten dies jedoch weitestgehend vermeiden, insbesondere um klassischen Anfängerfehlern vorzubeugen. So kann es zum Beispiel schnell passieren, dass man sein Hauptmotiv zu sehr am Rand platziert, so dass es als solches kaum noch erkennbar ist.
Ob man die Bildgestaltung nach den rechten oder die linken Schnittpunkte ausrichtet, hängt von der erwünschten Wirkung der Aufnahmen ab. Der Betrachter eines Bildes tendiert gemeinhin dazu, ein Bild von links nach rechts und von oben nach unten zu lesen. Sich von links nach rechts bewegende Objekte wirken daher oft wie ein Aufbruch. Die entgegengesetzte Bewegung hingegen wirkt oft wie eine Art Heimkehr.
Für den Aufbau eines Bildes mit einer Person darin ist es sehr wichtig, welche Blickrichtung sie einnimmt. Blickt sie von links nach rechts, sollte die Person oder Figur an einem linken Schnittpunkt positioniert werden. Vereinfacht formuliert, das Bild muss so gestaltet sein, dass in Blickrichtung einer Person mehr Platz als hinter ihr ist. So wird dem Zuschauer auch die Sicht auf den Hintergrund freigegeben, der eine ergänzende oder sogar bedeutende Rolle innerhalb der Gesamtaussage des Bildes haben kann.
Die Wahl zur Positionierung der Person oder des Hauptmotivs richtet sich nach Kontext und Einstellungsgröße. So kann eine Person durchaus auch auf der unteren Waagerechten platziert werden, wenn im Hintergrund oder über ihr gerade etwas Wichtiges geschieht. Generell gilt jedoch, dass beispielsweise die Augen einer Person möglichst auf oder zumindest an der oberen Linie platziert werden sollten.