Zwischen dem 24. und 26. August 2016 fand an der Heinrich-Heine-Universität der erste Workshop der Forschergruppe „Spoken Morphology“ statt: „Phonetics and Phonology of Complex Words“.

fg2373_logo_v4_214Die am Institut für Anglistik und Amerikanistik angesiedelte und von der DFG geförderte Forschergruppe 2373 untersucht die Phonetik und Phonologie morphologisch komplexer Wörter im Englischen, Deutschen und Maltesischen.

Neuere Erkenntnisse über die Aussprache komplexer Wörter (d.h. Wörter mit mehr als einer bedeutungstragenden Einheit wie z.B. Deutsch lach-t oder Um-leit-ung) stellen Theorien des Mentalen Lexikons und der Grammatik vor zwei große Herausforderungen.

So wurde festgestellt, dass traditionell als regelhaft angesehene Prozesse, wie der Erhalt von Betonungen bei der Ableitung neuer Wörter, sehr viel variabler sind als gemeinhin angenommen und vorhergesagt wird (vgl. z.B. die unerwartet variable Betonungszuweisung im Englischen in Wörtern wie ánalyzable ~ analýzable, beides abgeleitet von ánalyze). Das Ausmaß dieser Variation und die Bedingungen, unter denen sie auftritt, sind ein zentrales und ungelöstes Problem für existierende Modelle der Interaktion von Lautstruktur und Wortstruktur in Grammatik und Lexikon.

Die zweite Herausforderung ist die nähere Bestimmung der Rolle der Wortstruktur bei der phonetischen Realisierung komplexer Wörter. Dabei lautet die zentrale Frage, ob und wenn ja, wie die innere Struktur von Wörtern deren Artikulation und akustische Eigenschaften beeinflusst. So gibt es z.B. fundierte Hinweise, dass sich traditionell als gleichlautend angesehene Affixe (wie Plural und 3. Singular –s im Englischen) akustisch systematisch unterscheiden – ein Befund, den keine gängige linguistische Theorie und auch keines der einschlägigen Sprachproduktionsmodelle vorhersagt. Belastbare Forschungsarbeiten sind selten und kommen zu sich teilweise widersprechenden Ergebnissen.

Die Untersuchung der genannten morpho-phonologischen und morpho-phonetischen Phänomene kann wichtige Hinweise auf die kognitive Repräsentation und Verarbeitung komplexer Wörter liefern und damit zur Klärung einer zentralen Frage der aktuellen linguistischen Theorienbildung beitragen. Die komplexe Natur der zu untersuchenden Phänomene verlangt einen Ansatz, der Expertisen aus verschieden Teildisziplinen der Linguistik zusammenführt: Akustische und artikulatorische Phonetik, quantitativ-theoretische Linguistik, Psycholinguistik und Neurolinguistik.

Ziel des Workshops war es, mit internationalen Experten aus allen diesen Bereichen die beschriebenen Fragen mit modernen Methoden interdisziplinär und sprachübergreifend zu erörtern.

Eingeladene Redner waren unter anderem Joanna Cholin von der Ruhr-Universität Bochum, Erin Cornwell von der University of North Dakota, Susanne Gahl von der UC Berkeley, Ariel Goldberg von der Tufts University und Holger Mitterer von der Universität Malta.

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